Die SLS 2.0 ist im Regelbetrieb

Am 8. August 2025 wurde die Verantwortung für den Betrieb der SLS 2.0 feierlich von den Inbetriebnahmeexperten an die Sektion Operation übergeben. Nach monatelanger Arbeit und Feinschliff ist die SLS bereit für den regulären Betrieb. Das Fest ist der Startschuss für wissenschaftliche Experimente, die zuvor nicht möglich waren.

Eine symbolische Schlüsselübergabe von den Inbetriebnahmeexperten an die Sektion Operation markiert den Beginn des regulären Betriebs an der neuen SLS. © Paul Scherrer Institute / Sämi Fankhauser

Mit einer symbolischen Feier wurde am dem 8. August 2025 die Verantwortung für den Betrieb der SLS 2.0 offiziell von den Inbetriebnahmeexperten an das Betriebsteam übergeben. Die SLS 2.0 ist der neu aufgerüstete Nachfolger der ursprünglichen Synchrotron Lichtquelle Schweiz, einer der weltweit führenden Synchrotronlichtquellen. Diese ist eine der fünf Grossforschungsanlagen am Paul Scherrer Institut PSI und erzeugt extrem helles Röntgenlicht, das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt genutzt wird – für Forschungen, die von neuartigen Materialien für Solarzellen, Batterien und Computerchips bis hin zu medizinisch relevanten Fragestellungen wie Viren, Medikamenten und Impfstoffen reichen.

Das Inbetriebnahme-Team, bestehend aus Beschleunigerphysikern, Ingenieuren und Technikern, hat in den vergangenen Monaten die neue Maschine intensiv getestet und feinabgestimmt. Ziel war es, anspruchsvolle Leistungsparameter zu erreichen: schärfere, stabilere und präzisere Synchrotronstrahlen als je zuvor zu erzeugen. Diese Phase erforderte ein hohes Mass an Spezialwissen, sowie umfangreiche Maschinenzeit, um Systeme zu optimieren, Betriebsprobleme zu identifizieren und Lösungen zu implementieren. «Mit der Fertigstellung der SLS 2.0 ist ein riesiger Meilenstein erreicht worden. Der Traumbeschleuniger wurde in die Realität umgesetzt», freut sich Masamitsu Aiba, Mitglied des Commissioning-Teams, das im Zuge des Upgrade-Projekts SLS 2.0 nun die Elektronen zurück in den Elektronenspeicherring des Synchrotrons gebracht hat.

Mit der offiziellen Übergabe beginnt nun der reguläre Nutzerbetrieb – und damit eine neue Verantwortung für das Betriebsteam der Sektion Operation der Abteilung Strahlbetrieb und Anlagenentwicklung am Zentrum für Beschleunigerwissenschaften und -technologien des PSI. Dieses Team übernimmt die Anlage im 24-Stunden-Betrieb, sieben Tage die Woche, und das parallel zum Betrieb von drei weiteren Beschleunigeranlagen am PSI. Die Operateure überwachen alle wichtigen Betriebsparameter. Bei Bedarf wird optimiert oder für Wartungsarbeiten die gesamte Anlage runter- und wieder hochgefahren. Sie achten darauf, dass alle Sicherheits- und Strahlenschutzvorgaben eingehalten werden, zudem koordinieren sie den Zutritt von Personal zu strahlungskritischen Zonen. Die grösste Herausforderung für die Operateure, bei der auch erfahrene Operateure regelmässig neues lernen, ist die Diagnose und Behebung von Problemen, welche den Betrieb einschränken. Durch die enge Einbindung der Sektion Operation in die Inbetriebnahme, erfolgte der notwenige Wissenstransfer für den regulären Betrieb zum grossen Teil organisch während der Inbetriebnahme, zum Beispiel durch die gemeinsame Arbeit der Operateure mit den Inbetriebnahmeexperten oder bei der gemeinsamen Entwicklung der Bedienoberflächen, wie Martin Brinkmann, Gruppenleiter SLS und Vertreter der Sektion Operation im Commissioning-Team erklärt.

„Der Schritt von der Inbetriebnahme in den Routinebetrieb ist mehr als nur ein formaler Akt“, betont Felix Armborst, Beschleunigerphysiker und Betriebskoordinator SLS 2.0 und ebenfalls Teil des Commissioning-Teams. „Er markiert den Übergang von einer Entwicklungs- und Optimierungsphase zu einer Phase, in der der Fokus auf der kontinuierlichen Unterstützung der internationalen Nutzer liegt. Das ist ein stolzer Moment für alle Beteiligten.“ 

Mit dem Upgrade der SLS, das 2023 begann, stärkt die Schweiz ihre führende Rolle in der Forschung mit Photonen. Das intensivierte Synchrotronlicht der SLS 2.0 eröffnet neue Möglichkeiten – sei es, um innovative Materialien für zukünftige Technologien zu erforschen oder um die Bausteine des Lebens zu entschlüsseln und einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt zu leisten. Durch die offizielle Übergabe ist nun der Weg frei für ein wissenschaftliches Programm, das Experimente ermöglicht, die zuvor technisch nicht machbar waren. Gleichzeitig werden in den kommenden Monaten Prozesse und Dokumentationen weiter verfeinert, um den Betrieb so effizient wie möglich zu gestalten. Damit sich die Inbetriebnahmeexperten schrittweise wieder ganz auf ihre Kernaufgaben – Weiterentwicklung und Optimierung –fokussieren können.

„Wir betreten hier Neuland“, fasst Armborst zusammen. „Jeder Schritt bringt neue Erfahrungen, die wir in unsere Arbeitsabläufe integrieren. Mit Engagement, Zusammenarbeit und kontinuierlichem Lernen wird es uns gelingen, die SLS 2.0 dauerhaft auf höchstem Niveau für die Forschung bereitzustellen.“ Und Masamita Aiba ergänzt: «Dank dem Einsatz vieler Kollegen konnte dieses Projekt umgesetzt werden.»