LEAPS AISBL in Brüssel als rechtlich selbstständige Einheit gegründet

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Mit der formellen Gründung der LEAPS AISBL in Brüssel treten Europas führende Photonenforschungseinrichtungen in eine neue Phase der Koordinierung ein und stärken die strategische Rolle von Forschungsinfrastrukturen im europäischen Forschungsförderprogramm FP10.

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Die League of European Accelerator-based Photon Sources (LEAPS) ist das Netzwerk aller Synchrotronstrahlungs- und Freie-Elektronen-Laser-Nutzereinrichtungen in Europa. Am 22. April 2026 wurde LEAPS in Brüssel als AISBL (Association internationale sans but lucratif) – eine internationale gemeinnützige Rechtsperson – gegründet und markiert damit einen wichtigen Meilenstein für Europas Forschungs- und Innovationslandschaft.

Zur Einweihung kamen politische Entscheidungstragende, Führungspersonen aus der Forschung, Vertreterinnen und Vertreter der Industrie sowie die wissenschaftliche Gemeinschaft zusammen, um die Rolle der grossen Forschungsinfrastrukturen für die Gestaltung der Zukunft Europas zu beleuchten. Die Veranstaltung im Hanse Office in Brüssel widmete sich der Frage, wie Europas Netzwerk von Synchrotron- und Freie-Elektronen-Laser-Anlagen zur Wettbewerbsfähigkeit, technologischen Souveränität und Resilienz beitragen kann – in einer Zeit wachsender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Zu Beginn des Abends stellte Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung in Hamburg, die Diskussion unter das Leitmotiv der Zusammenarbeit als zentrale europäische Stärke. Sie verwies darauf, dass Hamburg bereits im 13. Jahrhundert sein erstes Hafenlager errichtete – nicht, weil die Stadt besonders mächtig war, sondern weil sie erkannt hatte, dass Stärke durch Vernetzung entsteht, nicht durch Abschottung. Mit Blick auf die heutige europäische Forschungs- und Innovationslandschaft betonte sie die zentrale Rolle von Forschungsinfrastrukturen: Sie sind entscheidend für Spitzenforschung und damit für technologische Souveränität und geostrategische Handlungsfähigkeit. Zugleich hob sie hervor, dass sie nicht nur Forschungsanlagen sind, sondern Ökosysteme, die Innovation, Zusammenarbeit und langfristige strategische Kapazitäten ermöglichen.

Die formelle Gründung von LEAPS als AISBL stellt einen wichtigen Schritt dar, um diese Zusammenarbeit auf europäischer Ebene strukturell zu festigen. Wie Thomas Feurer, Vorsitzender des LEAPS-Verwaltungsrats und Geschäftsführer des European XFEL, betonte: «2017, vor fast zehn Jahren, haben wir durch die Bündelung unserer Einrichtungen eine starke Plattform geschaffen, die keine einzelne Forschungsinstitution allein hätte aufbauen können.» Mit Blick auf die Weiterentwicklung der Initiative fügte er hinzu: «Mit der AISBL schaffen wir nun den rechtlichen Rahmen, um den nächsten Schritt in die Zukunft zu gehen. Das ist gerade in Zeiten wie diesen besonders relevant, in denen Themen wie Dual Use, Datensicherheit, Souveränität und Wissenschaftsdiplomatie sehr ernsthaft adressiert werden müssen.» Heute vereint LEAPS ein Netzwerk führender Infrastrukturen der Photonenforschung, die jährlich mehr als 35'000 Nutzende betreuen, und fungiert – wie Feurer es formulierte – als «zentraler Zugangspunkt für die Europäische Kommission und ihre Einrichtungen» sowie als «Integrator», der in der Lage ist, auf komplexe politische Herausforderungen zu reagieren.»

Die von Maryline Fiaschi, CEO von Science Business, moderierte Podiumsdiskussion richtete den Blick auf die Zukunft von Forschungsinfrastrukturen im nächsten Rahmenprogramm FP10 sowie auf die breitere Transformation des europäischen Forschungs- und Innovationssystems. Joanna Drake, stellvertretende Generaldirektorin der Generaldirektion Forschung und Innovation (DG RTD) der Europäischen Kommission, betonte, dass Europas globale Wettbewerbsfähigkeit nicht allein davon abhängen werde, wie viel Wissen produziert wird, sondern auch davon, wie effektiv dieses in Innovation, wirtschaftlichen Wert und strategische Autonomie überführt werden kann. Sie verwies auf eine Abkehr von fragmentierter, kurzfristiger Projektförderung hin zu einem stärker integrierten, ökosystemischen Ansatz. Der Gegensatz zwischen kurzfristigen Förderzyklen und der langfristigen Natur von Forschungsinfrastrukturen zog sich als wiederkehrendes Thema durch die Diskussion. Thomas Feurer hob dieses strukturelle Missverhältnis hervor und erklärte, dass es eine deutlich langfristigere Finanzierungsperspektive sowie ein entsprechend langfristiges Engagement der Förderorganisationen erfordere – auch vor dem Hintergrund, dass die Lebensdauer von Infrastrukturen mehrere Jahrzehnte betragen kann. Katarina Bjelke, Generaldirektorin des Schwedischen Forschungsrats, unterstrich die Notwendigkeit von Stabilität und betonte, dass Infrastrukturen über sehr lange Zeiträume verlässlich abgesichert werden müssen, zugleich aber auch stärker diversifizierte Finanzierungsquellen erforderlich seien. Prof. Manuel Heitor von der Universität Lissabon, ehemaliger portugiesischer Minister für Wissenschaft, Technologie und Hochschulbildung, formulierte seine Kritik an bestehenden Modellen deutlicher: «Projektbasierte Förderung mag ein interessanter Weg sein, um Mittel zu verteilen, ist aber ein schlechter Weg, um Wissenschaft zu betreiben.» Er plädierte für langfristigere und grossvolumigere Förderinstrumente, die besser auf die Realitäten wissenschaftlicher Forschung und industrieller Wettbewerbsfähigkeit abgestimmt sind.

Die Rolle von Forschungsinfrastrukturen als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie erwies sich als weiteres zentrales Thema. Mark van de Kerkhof, Director EUV Research bei ASML, beschrieb die starke Abhängigkeit moderner industrieller Forschung von solchen Einrichtungen und betonte: «Wir sind ausserordentlich dankbar, dass wir in Europa über Infrastrukturen verfügen, die wir für unsere Arbeit nutzen können» – insbesondere angesichts der Komplexität und Kosten der zugrunde liegenden Technologien. Er hob hervor, dass diese Abhängigkeit nicht nur grosse Unternehmen betrifft, sondern auch viele kleinere Firmen in entscheidendem Masse auf den Zugang zu öffentlichen Infrastrukturen angewiesen sind. Dies unterstreicht die Bedeutung offener und zugänglicher Forschungsinfrastrukturen innerhalb eines breiteren Innovationsökosystems. Aus akademischer Perspektive betonte Prof. Kristiaan Temst, Leiter der Forschungsgruppe Quantum Solid State Physics an der KU Leuven sowie Pathfinding for Semiconductor Technologies bei imec in Leuven, wie eng Photonenforschung mit technologischer Entwicklung verknüpft ist. Er erklärte, dass Photonenquellen wesentlich dazu beitragen, grundlegende Mechanismen zu verstehen – mit hoher Relevanz für Anwendungen. Gleichzeitig verwies er auf weiterhin bestehende kulturelle und strukturelle Hürden, insbesondere im Zusammenhang mit geistigem Eigentum und der Zusammenarbeit mit der Industrie.

Talente wurden sowohl als grosse Stärke als auch als potenzielle Schwachstelle Europas identifiziert. Thomas Feurer stellte fest, dass Talente gezielt Orte wählen, an denen sie überzeugt sind, ihre Ziele erreichen zu können, und unterstrich damit die Bedeutung, Forschungsinfrastrukturen als attraktive Anlaufstellen für internationale Fachkräfte zu positionieren. Er betonte, dass einzelne Institutionen diese Rolle bereits erfolgreich wahrnehmen, LEAPS jedoch dazu beitragen kann, diese Bemühungen zu bündeln und die Anziehungskraft auf europäischer Ebene weiter zu stärken. Joanna Drake wies hingegen auf strukturelle Hürden im europäischen Innovationssystem hin, die Karrierewege verlangsamen und Talente ins Ausland abwandern lassen können – insbesondere dann, wenn Forschende nach Möglichkeiten suchen, mit der Industrie zusammenzuarbeiten und Innovationen in den Markt zu bringen. Kristiaan Temst ergänzte, dass sich auch das Profil junger Forschender verändert: «Heute sehen wir deutlich mehr Doktorierende, die den Übergang in die Industrie anstreben.» Gleichzeitig beschrieb er die Arbeit an grossen Forschungsinfrastrukturen als prägende Erfahrung: «Sie erleben eine andere Art, Wissenschaft zu betreiben – eine sehr spannende –, die nicht nur ihre Forschung, sondern auch ihren Ansatz zu Zusammenarbeit und Problemlösung nachhaltig prägt.

Generell wurde in der Diskussion immer wieder auf die Notwendigkeit einer besseren Verwaltung und Koordinierung auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene hingewiesen, insbesondere im Zusammenhang mit künftigen Finanzierungsmodellen und der langfristigen Nachhaltigkeit von Forschungsinfrastrukturen. Wie mehrere Teilnehmende betonten, wird es entscheidend sein, Förderströme besser aufeinander abzustimmen und Stabilität zu gewährleisten, um das volle Potenzial des europäischen Forschungsinfrastruktur-Ökosystems auszuschöpfen. Die Diskussion anlässlich der Gründung von LEAPS AISBL zeigte ein gemeinsames Verständnis: Forschungsinfrastrukturen sind längst keine peripheren Elemente der europäischen Forschungslandschaft mehr, sondern zentrale Pfeiler ihrer Zukunft. Der Übergang von der Vision zum Handeln erfordert nicht nur nachhaltige Investitionen, sondern auch strukturelle Reformen in den Bereichen Finanzierung, Verwaltung, Innovationspolitik und Talentförderung. Da sich Europa in einem zunehmend wettbewerbsorientierten und unsicheren globalen Umfeld bewegt, wird die Fähigkeit, das Ökosystem seiner Forschungsinfrastruktur zu stärken und zu integrieren, eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung seiner wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung spielen.

Über die politische Debatte hinaus markiert die Gründung von LEAPS AISBL selbst einen strukturellen Wendepunkt für die europäische Forschungsinfrastruktur-Landschaft. Mit der Schaffung einer formellen Rechtsperson entwickelt sich LEAPS von einer Koordinationsplattform zu einer gefestigten und sichtbaren Akteurin im europäischen Forschungs- und Innovationssystem. Dieser Schritt stärkt die Fähigkeit, die gemeinsamen Interessen der Mitgliedseinrichtungen zu vertreten, effektiver mit europäischen Institutionen zu interagieren und strategische politische Diskussionen aktiv mitzugestalten.

In einem Umfeld, in dem von Forschungsinfrastrukturen zunehmend erwartet wird, nicht nur wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung zu entfalten, sendet die Gründung von LEAPS AISBL ein klares Signal: den Anspruch, als geeinte europäische Stimme aufzutreten und Photonenforschungsinfrastrukturen als zentrale Treiber der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit Europas zu positionieren.