Radiopharmazie – von der Grundlagenforschung zu wirkstarken Krebsmedikamenten

Mit Radiopharmaka lassen sich einige Krebsarten massgeschneidert bekämpfen. Dem heutigen Stand gingen Jahrzehnte an intensiver Forschung voraus – und die Zukunft verspricht noch bessere Behandlungschancen.

© Studio HübnerBraun

Die heutige Radiopharmazie basiert auf über hundert Jahren wissenschaftlicher Erkenntnis und kontinuierlicher Forschung. Radiopharmaka – massgeschneiderte Verbindungen aus einem Radionuklid und einem Molekül, das an die Krebszellen andockt – erlauben nun die gezielte Behandlung von immer mehr Krebsarten. Mit TATTOOS wird das PSI künftig viele weitere Radionuklide in deutlich grösserer Menge herstellen können: für die Entwicklung hochmoderner, individualisierter Krebstherapien.

1896: Henri Becquerel und Marie Curie entdecken unabhängig voneinander die Radioaktivität und legen damit die Basis für die Radiopharmazie.

1946: Erster Erfolg der Radiopharmazie: Radiojod (I-131) wird erfolgreich gegen Schilddrüsenkrebs mit Metastasen eingesetzt.

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1960: Ein Vorgängerinstitut des PSI, das Eidgenössische Institut für Reaktorforschung, beginnt mit der Produktion von medizinischen Radionukliden.

2000: Am PSI wird – gemeinsam mit der ETH Zürich – das Zentrum für radiopharmazeutische Wissenschaften gegründet. Forschende in der Radiochemie, Radiopharmazie, Biochemie und Pharmakologie treiben gemeinsam die Entwicklung neuer Radiopharmaka voran.

2000er: Die sogenannte Theranostik hält Einzug in die Radiopharmazie: Diagnose und Therapie werden optimal kombiniert, wenn Radioisotope des gleichen chemischen Elements verwendet werden. So lassen sich während der Diagnose nicht nur die Tumore verorten, sondern auch die Therapiedosis planen.

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2018: Das PSI lizensiert ein selbstentwickeltes Radiopharmakon an das Schweizer Pharmaunternehmen Debiopharm: Das Medikament Debio1124 besteht aus dem Nuklid Lutetium-177 sowie einem passenden Liganden und wird bei der Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms eingesetzt.

2024: Auf der Basis von Terbium-161 entwickeln PSI-Forschende Radiopharmaka, die erfolgreich in zwei Theranostik-Studien am Universitätsspital Basel eingesetzt werden. Eine davon ist die PROGNOSTICS-Studie mit Personen, die an Prostatakrebs erkrankt sind.

In der Radiopharmazie muss effizient und zügig gearbeitet werden: Durch den radioaktiven Zerfall verliert beispielsweise Terbium-161 innerhalb einer Woche die Hälfte seiner Strahlkraft. Die Forschenden berechnen dies exakt ein.

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Tag 1: Eine Glasampulle mit dem Ausgangsstoff Gadolinium-160 wurde in den vergangenen sechs Tagen mit Neutronen bestrahlt. Hierfür arbeitet das PSI mit Partnern weltweit zusammen. So ist darin Terbium-161 entstanden. Nun wird der Transport ans PSI vorbereitet.

Tag 2: In einer bleigeschirmten Verpackung bringt ein Lieferservice die Ampulle ans Zentrum für radiopharmazeutische Wissenschaften des PSI. Hier wird das Terbium-161 chemisch aufgereinigt, das heisst, andere Stoffe, die bei der Bestrahlung ebenfalls entstanden sind, werden abgetrennt.

Tag 3: Die PSI-Fachleute bereiten das nun reine Terbium-161 erneut auf, um es für die Anwendung am Menschen zu qualifizieren.

Tag 6, morgens: Das Radionuklid wird im Reinraum des Labors an den passenden Liganden gekoppelt – das Ergebnis ist eine sterile Injektionslösung.

Tag 6, nachmittags: Qualitätskontrolle und Freigabe des Radiopharmakons.

Tag 7: Transport ans Spital und dort unmittelbare Anwendung: Eine ärztliche Fachperson gibt das Medikament als Infusion direkt in die Blutbahn der krebskranken Person.

2029-2032: Bau und Inbetriebnahme von TATTOOS am PSI: Die künftige Radionuklid-Produktionsanlage ist ein Gemeinschaftsprojekt von PSI, Universität Zürich und Universitätsspital Zürich. Hier werden sich viele verschiedene Radionuklide herstellen lassen.

2040er: Die mit TATTOOS hergestellten, neuen Radionuklide könnten vielen krebskranken Personen zugutekommen.

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