PSI und NUKEM unterzeichnen Absichtserklärung zur Förderung der TRISO-Brennstoff- und HTR-Technologien

Das Paul Scherrer Institut PSI und die NUKEM Technologies Engineering Services GmbH (NUKEM) haben eine Absichtserklärung (MoU) unterzeichnet, um eine enge Forschungs- und Entwicklungskooperation mit Schwerpunkt auf fortschrittliche Kernbrennstoff- und Reaktortechnologien aufzubauen.

Andreas Pautz, Leiter des Zentrums für Nukleare Technologien und Wissenschaften am PSI; Christian Rüegg, Direktor des PSI; Nobuaki Ninomiya, Executive Officer und Managing Director von NUKEM; Manoel Landrieu, Head of Engineering bei NUKEM (v. l. n. r.). © Paul Scherrer Institut PSI/Markus Fischer

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen die Entwicklung und Anwendung von TRISO-Brennstoff, einem Hochleistungsbrennstoff, für den NUKEM über jahrzehntelange Erfahrung in der Konstruktion und Produktion verfügt, sowie das Konzept kleiner modularer Reaktoren (SMR) auf Basis der Hochtemperaturreaktortechnologie (HTR), das derzeit am PSI konzeptionell entwickelt wird. Ein wichtiges Ziel der Zusammenarbeit ist die Integration von TRISO-Brennstoff in das Reaktordesign des PSI unter Berücksichtigung des gesamten Brennstoffzyklus, einschliesslich der Wiederaufbereitung, Konditionierung und Endlagerung abgebrannten Brennstoffs. Von den frühesten Entwurfsphasen an werden Aspekte der Sicherheit, Nachhaltigkeit und Endlagerung einbezogen, um eine technisch fundierte und industriell realisierbare Lösung zu gewährleisten.

Im Rahmen der Absichtserklärung werden die Partner in mehreren Kernbereichen zusammenarbeiten, darunter

  • Reaktorkonzeptstudien, Modellierung und Simulation sowie die Entwicklung von Sicherheits- und Genehmigungsrahmenbedingungen;
  • Entwicklung, Qualifizierung und Bewertung von TRISO-Brennstoffen im Hinblick auf eine skalierbare industrielle Produktion;
  • Systematische Integration von Lebenszyklusaspekten in den Konstruktionsprozess, um langfristige Nachhaltigkeit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen.

Die Zusammenarbeit baut auf den sich ergänzenden Stärken beider Partner auf. Das PSI bringt seine wissenschaftliche Expertise und Führungsrolle in den Bereichen Reaktorphysik, Sicherheitsanalyse und Forschungsinfrastruktur ein, während NUKEM sein technisches Know-how und seine Erfahrung bei der Umsetzung fortschrittlicher nuklearer Konzepte in praktische und umsetzbare Lösungen beisteuert.

«Die zweite Absichtserklärung, die mit dem Paul Scherrer Institut PSI unterzeichnet wurde, ist ein wichtiger Meilenstein in unserer Zusammenarbeit. Sie vereint die langjährige Erfahrung von NUKEM in der Entwicklung und Produktion von TRISO-Brennstoffen, die auf der historischen Erfolgsbilanz des Unternehmens in Hanau basiert, mit der wissenschaftlichen und sicherheitsorientierten Expertise des PSI in den Bereichen HTR- und SMR-Technologien. Diese Zusammenarbeit ermöglicht einen integrierten Ansatz für den Lebenszyklus von Kernbrennstoffen bereits ab der frühen Entwurfsphase und bietet eine solide und realistische Grundlage für die Entwicklung industriell nutzbarer SMR- und HTR-Konzepte. Aufbauend auf den Aktivitäten in der Schweiz, Deutschland und Japan planen wir auch einen zukünftigen Einsatz in der arabischen Region und in Zentralasien», sagt Nobuaki Ninomiya, Executive Officer und Managing Director von NUKEM.

Andreas Pautz, Leiter des Zentrums für Nukleare Technologien und Wissenschaften am PSI, ergänzt: «Durch den Zusammenschluss legen das PSI und NUKEM den technischen Grundstein für die Beschleunigung der Entwicklung eines Hochtemperaturreaktors der Generation IV. Das PSI ist einer der wenigen Orte weltweit, der über die erforderliche experimentelle Infrastruktur und das notwendige Fachwissen verfügt, um das Verhalten fortschrittlicher Kernbrennstoffe wie TRISO von NUKEM unter Bestrahlungsbedingungen zu untersuchen. Durch den Einsatz eines extrem sicheren Kernbrennstoffdesigns und die parallele Entwicklung eines Reaktorkonzepts für industrielle Hochtemperaturanwendungen wie Prozesswärme und Wasserstofferzeugung bauen NUKEM und das PSI auf ihren bisherigen Erfolgen sowie auf der führenden Rolle Europas und Japans bei der Weiterentwicklung dieser vielversprechenden Technologie auf.»

Das gemeinsame Ziel besteht darin, ein Brennstoff- und Reaktorkonzept zu entwickeln, das während des gesamten Entwicklungsprozesses technisch robust, genehmigungsfähig und industriell realisierbar bleibt.

Diese Absichtserklärung baut auf der zuvor von beiden Parteien am 27. August 2025 unterzeichneten Vereinbarung auf und definiert den Umfang und die Tiefe der geplanten Forschungs- und Entwicklungskooperation näher.

Die NUKEM Technologies Engineering Services GmbH in Karlstein am Main, Deutschland, ist weltweit in den Bereichen Entsorgung radioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente, Stilllegung kerntechnischer Anlagen, Engineering und Beratung tätig. Seit mehr als 65 Jahren bietet NUKEM hochwertige Produkte, Technologien und Dienstleistungen, bei denen Innovation, Lösungen und Exzellenz eng miteinander verbunden sind.

Das PSI ist das grösste Forschungsinstitut für Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Schweiz und betreibt Spitzenforschung in vier Hauptbereichen: Zukunftstechnologien, Energie und Klima, Gesundheitsinnovation und Grundlagen der Natur. Das PSI entwickelt, baut und betreibt komplexe Grossforschungsanlagen und ist zudem das Kompetenzzentrum der Schweiz für Kernenergieforschung. Es betreibt einzigartige nukleare Infrastrukturen, z. B. das PSI-Hotlabor, eine gut ausgestattete Anlage für Arbeiten und Forschungen mit radioaktivem Material. Das Know-how des PSI ist entscheidend für den sicheren Betrieb der Schweizer Kernreaktoren, die Entsorgung radioaktiver Abfälle im tiefen geologischen Endlager sowie die Aus- und Weiterbildung der nächsten Generation von Kernwissenschaftlern und -ingenieuren.

Prof. Dr. Andreas Pautz
PSI Center for Nuclear Engineering and Sciences
Paul Scherrer Institut PSI

+41 56 310 34 97
andreas.pautz@psi.ch

Über das PSI

Das Paul Scherrer Institut PSI entwickelt, baut und betreibt grosse und komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene Forschungsschwerpunkte sind Zukunftstechnologien, Energie und Klima, Health Innovation und Grundlagen der Natur. Die Ausbildung von jungen Menschen ist ein zentrales Anliegen des PSI. Deshalb sind etwa ein Viertel unserer Mitarbeitenden Postdoktorierende, Doktorierende oder Lernende. Insgesamt beschäftigt das PSI 2300 Mitarbeitende und ist damit das grösste Forschungsinstitut der Schweiz. Das Jahresbudget beträgt rund CHF 450 Mio. Das PSI ist Teil des ETH-Bereichs, dem auch die ETH Zürich und die ETH Lausanne angehören sowie die Forschungsinstitute Eawag, Empa und WSL. (Stand 06/2025)