SwissFEL – die neue Grossanlage des Paul Scherrer Instituts
Blick in den Tunnel des 250-MeV-Injektors. Hier werden Technologien für den ersten Teil des SwissFEL-Beschleunigers getestet. Sobald die endgültigen SwissFEL-Gebäude bereitstehen, werden die Anlagen gezügelt und dort den ersten Teil des SwissFEL bilden. (Paul Scherrer Institut/Frank Reiser)
Auch der SwissFEL wird für externe Forschende zugänglich sein, wobei die Bedürfnisse der Schweizer Hochschulen und Industrie bei der Planung besonders berücksichtigt werden. Weltweit sind bisher nur zwei vergleichbare Anlagen in Betrieb, zwei weitere sind im Bau.
Röntgenlaser
Skizze der SwissFEL-Gebäude. Im Injektor werden Elektronenpulse erzeugt, die dann im Beschleuniger auf eine hohe Geschwindigkeit gebracht werden. In den Magnetanlagen der Undulatoren, werden diese Elektronen auf eine Wellenbahn geschickt und erzeugen dabei das Röntgenlicht, das in den beiden Experimentierhallen für Experimente genutzt wird. Die Anlage wird von einem Hang überdeckt werden, so dass sie vom parallel verlaufenden Waldweg aus nicht sichtbar ist.
Der SwissFEL ist ein Freie-Elektronen-Röntgenlaser (das „FEL“ im Namen steht für „Free Electron Laser“). Er wird extrem kurze und intensive Blitze aus Röntgenlicht in Laserqualität erzeugen – die Blitze werden 20 bis 60 Femtosekunden (1 Femtosekunde = 0,000 000 000 000 001 Sekunden) lang sein. Diese Eigenschaften werden neuartige Einblicke in das Innere von Materialien, die mit den Röntgenblitzen durchleuchtet werden, erlauben.
Die Erzeugung des Röntgenlichts beginnt im Inneren der Elektronenkanone: Mit einem Lichtblitz werden Elektronen aus einer Metallplatte freigesetzt und dann durch ein elektrisches Feld im Linearbeschleuniger auf die nötige hohe Geschwindigkeit gebracht. Dabei werden die Elektronen so schnell, als hätten sie eine Spannung von 6 Milliarden Volt durchlaufen. Damit sind sie schnell genug, um in einem Magnetundulator – so nennen die Fachleute die verwendete Magnetanordnung – auf eine schlangenförmige Bahn geschickt zu werden. Dabei erzeugen die Elektronen die Röntgenlichtstrahlung, die sich gleichsam mit der Gewalt einer Lawine zu dem einzigartig intensiven Röntgenlicht des SwissFEL verstärkt. Der SwissFEL Magnetundulator wird 60 Meter lang sein und aus 26400 Magneten bestehen. Die nötige hohe Genauigkeit beim Aufbau des Magnetundulators zu erreichen, ist eine Höchstleistung der Ingenieurkunst.
Der Röntgenlichtstrahl wird nun zum Experimentierplatz weitergeleitet und steht dort Forschenden für ihre Experimente zur Verfügung.
Neue Erkenntnisse für Wissenschaft, Technik und Medizin
Am SwissFEL wird man beispielsweise Schritt für Schritt verfolgen können, wie sich in einer chemischen Reaktion die kleinsten Bausteine einer Substanz voneinander trennen und zu einer neuen Substanz zusammenfinden. Diese Vorgänge sind so schnell, dass sie bisher nicht unmittelbar beobachtet werden konnten. Erst die extrem kurzen Blitze des SwissFEL werden es möglich machen, die einzelnen Zwischenschritte mit „kurzer Belichtungszeit“ abzulichten. Ein genaues Verständnis dieser Abläufe dürfte helfen, Verfahren in der chemischen Industrie effizienter und damit kostengünstiger oder ressourcenschonender ablaufen zu lassen.Mit Hilfe künstlicher Fotosynthese wird man zukünftig mit Hilfe von Sonnenenergie aus Wasser und Kohlendioxid Methanol oder Methan als Grundlage für Chemikalien oder als Brennstoff für Gaskraftwerke herstellen. Um die nötigen Vorgänge möglichst effizient ablaufen zu lassen, müssen die dabei genutzten chemischen Reaktionen genau verstanden werden. Erst mit Hilfe des !SwissFEL wird man diese Reaktionen Schritt für Schritt verfolgen können.
Die Abbildungen zeigen den ersten Schritt der künstlichen Fotosynthese im Detail. Die Wassermoleküle (H2O) verbinden sich mit der Katalysatoroberfläche und können dann mit Hilfe von Sonnenenergie in ihre Bestandteile zerlegt werden.
Zuerst werden die Wasserstoffatome abgetrennt und finden sich zu Molekülen (H2) zusammen. Aus den übriggebliebenen Sauerstoffatomen bilden sich dann auch Moleküle (O2).
Auch wird man am SwissFEL bestimmen können wie lebenswichtige biologische Moleküle im Detail aufgebaut sind. Solche Moleküle bestehen meist aus zehntausenden von Atomen und es ist entscheidend für ihre Funktion, dass die Atome richtig angeordnet sind. Heute können die Forschenden die Strukturen nur bestimmen, wenn sich viele Kopien eines solchen Moleküls in einer regelmässigen Kristallstruktur anordnen lassen. Das intensive Röntgenlicht des SwissFEL wird es möglich machen, auch die Strukturen anderer Moleküle aufzuklären. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage neuer Medikamente werden, in dem sie beispielsweise aufzeigen, wie man wichtige Lebensprozesse in krankheitserregenden Bakterien unterbindet.
Die Abbildungen zeigen den ersten Schritt der künstlichen Fotosynthese im Detail. Die Wassermoleküle (H2O) verbinden sich mit der Katalysatoroberfläche und können dann mit Hilfe von Sonnenenergie in ihre Bestandteile zerlegt werden.
Zuerst werden die Wasserstoffatome abgetrennt und finden sich zu Molekülen (H2) zusammen. Aus den übriggebliebenen Sauerstoffatomen bilden sich dann auch Moleküle (O2).
Arbeitsplatz für Forschende aus Wissenschaft und Industrie
An der SLS werden Ideen für Experimente, wie sie am SwissFEL durchgeführt werden sollen, entwickelt und erprobt. Hier wird eine Anlage entwickelt, mit der katalytische Reaktionen, wie sie etwa für neue Energietechnologien wichtig sind, untersucht werden sollen. (Scanderbeg Sauer Photography)
Die Umgebung des SwissFEL im Würenlinger Wald nach Fertigstellung der Anlage. Die SwissFEL-Bauten befinden sich unter dem links dargestellten Hang und sind von dem Waldweg aus nicht sichtbar. Auf dem Hang wird eine ökologisch wertvolle Magerwiese angelegt.
Für die Industrie bietet der SwissFEL schon während der Entwicklung und beim Aufbau Möglichkeiten für Kooperationen. Der SwissFEL ist eine grosse technologische Herausforderung, die das PSI zusammen mit der Industrie meistern will. Dadurch soll sich auch ein Know-how-Transfer in die Industrie ergeben, der es den Unternehmen ermöglichen wird, neues Wissen für innovative Produkte zu nutzen.
Ab 2016 in Würenlingen betriebsbereit – Ort, Zeit und Geld
Der SwissFEL wird im Würenlinger Wald in der Nähe des gegenwärtigen PSI-Geländes im Kanton Aargau entstehen. Dieser Standort hat sich nach umfangreichen Abwägungen als der einzig geeignete erwiesen. Hier sind Temperaturschwankungen und Erschütterungen besonders gering, was für einen erfolgreichen Betrieb der hochpräzisen Anlagen entscheidend ist. Die Nähe zum jetzigen PSI-Gelände ermöglicht es, dank der kurzen Wege die vorhandene Infrastruktur des Instituts zu nutzen. Nach Fertigstellung werden grosse Teile des Gebäudes mit Erde und Kies abgedeckt, so dass ein natürlicher Lebensraum für bedrohte Pflanzen- und Tierarten entsteht.Der SwissFEL soll im Jahr 2016 mit zunächst einem Messplatz in Betrieb gehen. Die Bauarbeiten für die Gebäude sollen in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt werden, die technischen Anlagen werden in den Jahren 2015 und 2016 installiert. Im August 2010 ist im Westteil des PSI-Geländes in der Nähe der vorhandenen Grossanlagen SLS und SINQ eine Testanlage in Betrieb gegangen, in der der erste Teil des SwissFEL-Beschleunigers nach und nach aufgebaut wird. Hier werden Komponenten getestet und verschiedene technische Lösungen erprobt. Sobald das endgültige Gebäude bereitsteht, wird die Testanlage Teil des endgültigen SwissFEL werden.
Die Kosten des SwissFEL betragen rund 270 Millionen Franken und werden zum grössten Teil vom Bund getragen werden. Wenn alles gut geht könnte das Parlament im Herbst 2012 über die Finanzierung abstimmen. Der Kanton Aargau ist von der im SwissFEL steckenden Innovationskraft schon jetzt überzeugt und beteiligt sich mit 30 Millionen Franken an der Finanzierung.
SwissFEL News
Folgende Meldungen sind zuletzt zum Thema erschienen.9. Dezember 2011
Schweizer Hochpräzision stabilisiert den SwissFEL
Das Paul Scherrer Institut PSI und die MDC Max Daetwyler AG (Bleienbach), haben heute einen Vertrag unterzeichnet, nach dem Daetwyler wesentliche Komponenten für den Röntgenlaser SwissFEL, die neue Grossforschungsanlage des PSI, gemeinsam mit dem PSI entwickeln und bauen wird. Die Massnahmen des Bundes zur Abfederung der Frankenstärke erlauben es, den Bau der Komponenten vorzuziehen und so das SwissFEL-Projekt schneller voranzutreiben.7. September 2011
Diamanten sind auch des Forschers bester Freund
Einem vom PSI geleiteten Forscherteam ist es gelungen, harte Röntgenlaserstrahlung 100'000-fach zu konzentrieren und so an einem Punkt Röntgenstrahlung zu erzeugen, die so intensiv war wie wohl nirgends zuvor. Als Linsen verwendeten die Forscher winzige Ringstrukturen aus Diamant – dem Material, das am besten dem Röntgenlaserlicht standhält. Diese Entwicklung schafft die Voraussetzung für einen Teil der Experimente am SwissFEL, dem geplanten Röntgenlaser des PSI.23. August 2011
Standort des SwissFEL entschieden
Das Paul Scherrer Institut hat einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung seiner neuen Grossforschungsanlage erreicht.Heute stimmte der Grosse Rat des Kantons Aargau der Anpassung des Richtplans zum Siedlungsgebiet in Würenlingen sowie der Anpassung des Nutzungsplans für das dortige Grundwasserschutzareal zu. Das Paul Scherrer Institut PSI freut sich über diesen wichtigen Entscheid auf dem Weg zur Realisierung seiner neuen Grossforschungsanlage SwissFEL (Schweizer Freie-Elektronen Röntgenlaser).
Weiterführende Informationen
- Internetseite des SwissFEL-Projekts (in Englisch)
- Film zum Zukunftsprojekt SwissFEL








