20. January 2006

Holzfeuerungen bezüglich Feinstaub unterschätzt

Extrem hohe Feinstaubkonzentrationen aus Heizungen und Verkehr
Zu den schädlichen Konzentrationen von Kleinstpartikeln und Russ trägt im Winter nicht nur der Strassenverkehr bei, auch die Holzfeuerungen sind nicht zu unterschätzen. Ihr Anteil an den Feinstaubemissionen kann in gewissen Regionen sogar deutlich überwiegen. So leiden Dörfer an den stark befahrenen Transitachsen durch die Alpen an den massiv erhöhten Feinstaubbelastungen. Das Paul Scherrer Institut (PSI) weist diese brisanten Resultate mit neusten Messungen nach und zieht daraus mehrere Schlüsse.

Selbst wenn der Regen die Luft in den letzten Tagen gereinigt hat, ist damit das Problem des Feinstaubs nicht gelöst. Bei stationären Wetterverhältnissen im Winter mit Hochnebel wird die Feinstaubkonzentration in der Luft erneut drastisch ansteigen. Die Kleinstpartikel stammen vor allem aus Dieselmotoren, Holz- und Industriefeuerungen sowie aus dem Abrieb von Reifen und Bremsbelägen. Eine spezielle Situation herrscht vor in den Alpentälern. Dort kann die Feinstaubbelastung aus den verbreiteten Holzheizungen diejenige des Strassenverkehrs sogar mehrfach übersteigen.

Drei- bis viermal mehr Feinstaub aus Holzheizungen als aus Verkehr im winterlichen Misox

Extrem stellt sich die Lage in Roveredo dar, am untern Taleingang des Misox. Im Bündner Dorf an der San-Bernardino-Achse ist an einem Winterabend die Feinstaubkonzentration aus Holzfeuerungen drei- bis viermal höher als diejenige von der nahen Autobahn. Diese Resultate zeigen Messungen des Paul Scherrer Instituts (PSI), die eine Forschungsgruppe des Labors für Atmosphärenchemie in Zusammenarbeit mit der Universität Bern und der ETH Zürich mit Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und mehrere Kantone durchführte. Ein ähnliches Bild ergeben Untersuchungen in Moleno, einem Ort in der Leventina, gleich neben der dicht befahrenen Gotthardautobahn. Ebenfalls hier ist der Anteil der Holzfeuerungen viel höher als erwartet ausgefallen, wenn auch nicht so frappant wie in Roveredo. Die Konzentrationen aus Holzheizungen und Verkehr halten sich dort im Winter, ähnlich wie im Stadtzentrum von Zürich, etwa die Waage.

Die Messungen machen zudem die Unterschiede in der Partikelgrösse deutlich. So wurden die höchsten Massenkonzentrationen von Feinstaub in den Dörfern und nicht entlang den Autobahnen gemessen. Hingegen ist die Anzahl der kleinsten Teilchen an den Verkehrsachsen erheblich höher. Solche Nanopartikel mit einem Durchmesser kleiner als 50 Millionstel-Millimeter stammen folglich mehrheitlich aus dem Verkehr. Die Russpartikel aus dem Verkehr sind ausserdem Krebs erregend und deshalb mit griffigen Massnahmen zu vermindern.

CO2-neutrale und saubere Holzenergienutzung erforderlich

Aufgrund der neusten Untersuchungen vermuten die PSI-Forscher, dass der Beitrag der Holzfeuerungen (insbesondere von Kleinfeuerungen und Cheminées) zu den hohen Feinstaubemissionen in der Schweiz und Europa teilweise klar unterschätzt wird. Weitere Studien dazu sind notwendig. Die Feinstaubbelastung durch Holzverbrennung lässt sich durch emissionsarme Holzenergienutzung massiv senken. So erforscht zum Beispiel das PSI ein katalytisches Verfahren, das Holz in synthetisches Erdgas umwandelt. Das gewonnene Gas kann ins bestehende Erdgasnetz eingespiesen werden und verbrennt ohne Feinstaubemissionen. Zurzeit plant man eine Pilot- und Demonstrationsanlage mit der Leistung von 1 Megawatt, welche die Holzenergie sowohl CO2-neutral wie auch sauber nutzt.


Für weitere Auskünfte

Dr. André Prévôt, Gruppenleiter im Labor für Atmosphärenchemie, PSI
Telefon +41 56 310 42 02; andre.prevot@psi.ch
PD Dr. Urs Baltensperger, Leiter des Labors für Atmosphärenchemie, PSI
Telefon +41 56 310 24 08; urs.baltensperger@psi.ch
Bildmaterial

Mit Klick auf das Disketten-Icon können Sie die hoch aufgelöste Version herunterladen.

psi forum

The visitors' centre of the Paul Scherrer Institute

School Lab "iLab"

The laboratory for the iPod generation