25. April 2007
Energie mit Zukunft
Klimaneutral, nachhaltig und auch bezahlbarDas Paul Scherrer Institut (PSI) als grösstes Energieforschungsinstitut der Schweiz möchte der Politik und Wirtschaft Anstösse geben, in welche Richtung sich eine nachhaltige, effiziente und klimaneutrale Energieversorgung bewegen kann. Auf diesem Weg leistet die thematisch breite und fachlich vernetzte Forschung des PSI einen wichtigen Beitrag. Auch das vom PSI geführte Kompetenzzentrum Energie und Mobilität (CCEM) des ETH-Bereichs zielt mit seinen Projekten in die gleiche Richtung.
Unsere Energieversorgung ist nicht nachhaltig. Der Energieverbrauch in entwickelten Ländern ist hoch, in Schwellenländern wie China und Indien wächst er rasant. Die Vorherrschaft von Erdöl, Kohle und Erdgas bringt das Klima aus dem Lot, politische Spannungen verschärfen sich. Am PSI wurde untersucht, wie sich in der Schweiz das Energiesystem bis 2050 entwickeln könnte, um den Zielen einer nachhaltigeren Energieversorgung zu entsprechen. Eine energie- und CO2-sparende Gesellschaft soll dabei wegweisend sein.
Zurzeit 5000-Watt-Gesellschaft in der Schweiz
Die 2000-Watt-Gesellschaft wird heute oft als Vision für eine nachhaltige Energieversorgung betrachtet, die umweltverträglich sein und zugleich mindestens stabilen Wohlstand erlauben soll. Der Begriff geht von einer mittleren “Leistung” von 2000 Watt pro Kopf aus (17520 kWh pro Kopf und Jahr) und entspricht heute etwa dem globalen Durchschnittsbedarf eines Menschen. In der Schweiz liegen wir derzeit bei rund 5000 Watt – und das ohne graue Energie, die noch einmal knapp 4000 Watt ausmacht. Ein grosser Teil der Menschheit muss dagegen mit weniger als 1000 Watt pro Kopf auskommen.Sind 2000 Watt pro Kopf in der Schweiz in Zukunft möglich und unter welchen Bedingungen ist das auch klimaverträglich? Eine Studie des PSI zeigt, dass wir mit dem Begriff der 2000-Watt-Gesellschaft sehr vorsichtig umgehen müssen. Entscheidend sind nicht die 2000 Watt allein, sondern auch, wie sie erzeugt werden.
Einsatz aller nicht-fossilen Energieträger
Wir brauchen zwingend mehr Energieeffizienz, Sparmassnahmen und neue Technologien. Bis 2050 werden wir damit unsern Verbrauch sozialverträglich jedoch höchstens um 30% senken können. Dass wir 2000 Watt pro Kopf nicht erreichen, ist aber für das Klima nicht entscheidend. Angesichts des Klimawandels müssen wir vor allem die CO2-Emissionen möglichst rasch senken. Das langfristige Ziel liegt bei einer Tonne CO2 pro Kopf und Jahr oder maximal 500 Watt pro Kopf aus fossilen Quellen. Der Wert entspricht einem Flug in die Türkei (Zürich–Antalya und zurück) und ist etwa sechsmal weniger als heute. Eine solch massive Reduktion erfordert ein grosses Umdenken und den Einsatz aller nicht-fossilen Energieträger. Die 2000-Watt-Gesellschaft soll dabei als langfristiger Wegweiser dienen. Sie ist auch Ausdruck unserer Ambitionen, Wohlstand und nachhaltige Energieversorgung unter einem Dach zu vereinen.Detaillierte Informationen und illustrative Grafiken finden Sie im neuen PSI-Energie-Spiegel Nr. 18: “Die 2000-Watt-Gesellschaft: Norm oder Wegweiser?” (Download als PDF)
Einmalige Kombination von Forschungsanlagen
Mit seinen grossen Forschungsanlagen bietet das PSI eine einmalige Kombination von Experimenten, die sich gegenseitig optimal ergänzen. Die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden lassen sich für Strukturforschung, Spektroskopie und für die Strukturierung von Materialien in zahlreichen Gebieten der Naturwissenschaften und Technologie anwenden. National wie international hat sich das PSI als eines der führenden Benutzerlabors profiliert. 2006 zählte man gegen 3000 Besuche von über 1400 Wissenschaftlern aus Instituten in 31 Ländern, die mehr als 1000 Experimente durchführten. Glanzpunkte der Forschung des PSI waren der international stark beachtete Pilotversuch mit einem Flüssigmetall-Target zur Erzeugung energiereicher Neutronen, eine erstmalige chemische Untersuchung des superschweren Elements 112, die Inbetriebnahme innovativer Strahllinien an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS) sowie die Entwicklung von Pixeldetektoren für die Grossexperimente am CERN. Auch konnte der Ausbau der Protonentherapie erfolgreich vorangetrieben werden.Ergänzende Informationen: Energieleitsätze des PSI
- Breite Palette von Energietechnologien
Der Klimawandel und seine drohenden Folgen erfordern weltweit eine umweltfreundliche, nachhaltige und auch bezahlbare Energieversorgung. Auf dem Weg dorthin ist ein Portfolio von Efffizienz- und Substitutionsmassnahmen einzusetzen. Das PSI erforscht daher eine breite Palette von Möglichkeiten – von den neuen erneuerbaren Energien über die fossilen Verbrennungstechnologien und die Brennstoffzellen bis hin zur Kernkraft der kommenden Generation.
- Realitätsnahe und gesellschaftsrelevante Forschung
Die Verbesserung der Energieeffizienz und der Einsatz neuer erneuerbarer Energien haben gemäss PSI-Studien ein hohes Potenzial. Ihre Anwendung stösst jedoch nicht nur an wirtschaftliche, sondern auch an physikalische und technische Grenzen. In der Forschung sind daher auf diesen Gebieten noch grosse Anstrengungen erforderlich. Das PSI und das von ihm geführte Kompetenzzentrum für Energie und Mobilität CCEM des ETH-Bereichs konzentrieren sich auf realitätsnahe und viel versprechende Projekte mit einem grossen gesellschaftlichen Impact.
- Mobilität und Stromerzeugung im Fokus
Für eine CO2-neutrale Energieversorgung müssen alle Verbrauchssektoren zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen beitragen. Das PSI setzt Schwerpunkte bei der Mobilität und der Elektrizitätserzeugung. Seine Forschung umfasst in diesen Sektoren sowohl die Bereitstellung klimaneutraler Energieträger wie auch umweltfreundlicher und hoch effizienter Nutzungstechnologien.
- Sinnvolle Investitionen in Innovationen
Energieforschung dient der Gesellschaft und ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft, die letztlich der gesamten Volkswirtschaft zugute kommt – Innovationen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit in einem Zukunftsmarkt. Die grossen Schweizer Geldinstitute werben zurzeit prominent für umweltrelevante Kapitalanlagen, mit direkten Investitionen in die Energieforschung im eigenen Lande halten sie sich jedoch zurück. Das PSI als grösstes Energieforschungsinstitut der Schweiz und das ihm anvertraute CCEM appellieren daher an die Wirtschaft, sich mit Drittmitteln für die Forschung vermehrt finanziell an der Lösung des Klimaproblems zu beteiligen.
- 2000-Watt-Gesellschaft als Wegweiser
Das PSI analysiert und bewertet Energieszenarien aus der Nachhaltigkeitsperspektive. Die 2000-Watt-Gesellschaft peilt eine energie- und CO2-sparende Weltgemeinschaft an. Die Vision muss sich an sachlich-nüchternen Randbedingungen orientieren – gerade im Hinblick auf die geforderten Treibhausgas-Reduktionen. Aus Sicht des PSI kann eine optimale Synergie zwischen Energieverbrauchs- und Klimaschutzzielen definiert werden. Für die Schweiz ein realistisches Ziel bis 2050 sind 4000 Watt mit einer signifikanten CO2-Reduktion (minus 50 %) bei gesellschaftlich tragbaren Kosten. Das langfristige Ziel liegt bei einer Tonne CO2 pro Kopf oder 500 Watt pro Kopf aus fossilen Quellen. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft ist dafür ein guter Wegweiser, denn sie postuliert Änderungen in die richtige Richtung.
Vernetzte Kompetenz mit globaler und lokaler Wirkung
Das vom PSI geführte Kompetenzzentrum Energie und Mobilität (CCEM) des ETH-Bereichs will die Schweizer Energieforschung bündeln und vernetzen. Seine Projekte sollen die technischen Innovationen für eine nachhaltige Energieversorgung fördern und damit auch den Wirtschaftsplatz Schweiz stärken. Bisher sind 16 Projekte in den Gebieten Mobilität, Elektrizität, Wärme und Gebäude gestartet worden. Das Projekt für Schiffsdieselmotoren zeigt exemplarisch, wie das CCEM ökologisch global und gleichzeitig ökonomisch lokal wirken kann: Mit verbrennungstechnischen Massnahmen soll die bedeutende Umweltbelastung aus dem Frachtverkehr zur See weltweit deutlich gesenkt werden. Zurzeit verursacht dieser Transportsektor 13 % der weltweiten Stickoxid-Emissionen aus der gesamten Ölverbrennung. Vom Einsatz modernster Schiffsmotoren wird nicht nur massiv die Umwelt, sondern auch merklich die Schweizer Industrie mit den betreffenden Produktions- und Zulieferfirmen profitieren.Für weitere Auskünfte:
Prof. Dr. Alexander Wokaun, Leiter Forschungsbereich Allgemeine Energie, PSI;Telefon +41 56 310 27 51; alexander.wokaun@psi.ch
Dr. Philipp Dietrich, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Energie und Mobilität (CCEM) des ETH-Bereichs,
Telefon +41 56 310 45 73; philipp.dietrich@psi.ch
Dr. Stefan Hirschberg, Leiter Labor für Energiesystem-Analysen, PSI;
Telefon +41 56 310 29 56; stefan.hirschberg@psi.ch


